{"id":112,"date":"2026-05-26T02:46:39","date_gmt":"2026-05-26T02:46:39","guid":{"rendered":"https:\/\/markusstettler.com\/?p=112"},"modified":"2026-05-27T11:00:28","modified_gmt":"2026-05-27T11:00:28","slug":"eine-kurze-pause-fuer-riesen-und-windmuehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/markusstettler.com\/?p=112&lang=de","title":{"rendered":"Eine kurze Pause f\u00fcr Riesen und Windm\u00fchlen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe dieses T-Shirt \u2013 na ja, du hast das Bild gesehen. D&amp;D \u2013 Drucker &amp; Deming.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bringt mich immer zum Lachen \u2013 mich und die sehr, sehr wenigen Menschen, die es verstehen. Trotzdem trage ich es gerne an Expert Exchanges, Knowledge Sharing Events, also dort, wo ich glaube, die drei anderen Menschen auf der Welt zu treffen, die sowohl das Spiel als auch die Zauberer der Management Theory kennen. Sie konnten Ideen beschw\u00f6ren wie ein Level-20-Wizard \u2013 na gut, sagen wir mindestens Level 18 \u2013 mit 20 INT und Spell Save DC 19plus, schmaler Statur und einem kleinen Bauchansatz. Zu viel? Ich weiss. Ich mache Zauberer aus ihnen, obwohl sie einfach grossartige Denker sind. Und ich lasse ihre Methoden wie Magie aussehen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die vorstandstaugliche Version: Wir verwechseln das Image von Methoden mit den Methoden selbst. Boorstin sagt uns, dass das Ideal durch das Image ersetzt wird. Uns interessiert nur noch, wie wir gesehen werden, nicht mehr, was wir tun m\u00fcssen. \u00c4hnlich beschreibt Goffman die Frontstage und die Backstage \u2014 die Show wird zum einzig Wichtigen, und wir vergessen, wie und von wem sie \u00fcberhaupt erzeugt wird. RCA, PDCA, ISO, Continuous Improvement werden zu Marken statt zu Werkzeugen. Wir m\u00f6gen den Sticker, aber ignorieren die unbequeme Wahrheit, die sie uns zeigen k\u00f6nnten. Wer dem Fehler nicht ins Gesicht sieht, kann ihn nicht l\u00f6sen. Don Quixote sah Riesen, wo nur Windm\u00fchlen waren. Das Image frisst die Wirklichkeit.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kann manchmal ein furchtbarer Fanboy sein. Ich habe Steve Jobs immer f\u00fcr sein vision\u00e4res Genie verehrt, Unix als Basis f\u00fcr MacOS zu verwenden, und ich habe jeweils fast hyperventiliert, wenn er in den fr\u00fchen 2000ern das wundersch\u00f6ne, minimalistische Industrial Design des neuesten Apple-Gadgets pr\u00e4sentierte. Siehst du, ich mache es schon wieder. Ich finde, niemand kommt an Immanuel Kants mind-blowing Gedankenkonstrukte heran. Und mich durch diese Labyrinthe zu arbeiten, hat mich immer mit Freude erf\u00fcllt. Tolkien ist der King, weil er das beste Buch der Welt geschrieben hat: The Lord of the Rings. Und Neil Gaimans Geschichten f\u00fchlen sich immer aufregend unheimlich und zugleich wohlig warm an, wie ein Kaminfeuer in einem Spukhaus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber seien wir ehrlich: Steve war einfach ein grossartiger Gesch\u00e4ftsmann, der immer grossartige, aber weniger sichtbare Menschen um sich versammelt hatte. Er war ein Vision\u00e4r, weil er \u2013 indem er Kunst und Technologie verband \u2013 seine eigene Realit\u00e4t erschuf, eine wunderbare Theaterproduktion \u2013 zuerst bunt, dann weiss, schliesslich metallisch silbern; trotzdem war es eine Produktion. Kant war ein genialer Denker, aber ein miserabler Schreiber, und er ist daran schuld, dass ich immer noch glaube, es sei okay, S\u00e4tze zu bilden, die sich \u00fcber ganze Buchseiten erstrecken. Tolkien schrieb ein Meisterwerk, h\u00e4tte aber ruhig einmal einen Einf\u00fchrung in die moderne Dramaturgie besuchen k\u00f6nnen. Denn zehn Seiten Wandern sind nicht interessant, und man erschafft nicht eine der besten Figuren der Literatur \u2013 Tom, nat\u00fcrlich \u2013, nur um ihn nach einem Kapitel wieder fallen zu lassen. Und Neil, nun ja, Neil ist wirklich grossartig, aber er schrieb fr\u00fcher Comic B\u00fccher. Deshalb ist er so cool.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber w\u00e4hrend ich dar\u00fcber nachdenke, l\u00f6st das etwas Pers\u00f6nlicheres aus. Schwer zu erkl\u00e4ren. Ich versuche es. Ich habe einmal eine Kurzgeschichte \u00fcber einen Mann geschrieben, der damit k\u00e4mpft, nicht wie Don Quixote zu werden, nicht gegen Windm\u00fchlen zu k\u00e4mpfen und die Verbindung zur Realit\u00e4t zu verlieren. Jetzt verstehe ich, warum ich M\u00fche hatte, sie zu schreiben. Aus demselben Grund bereitet mir auch dieser Text hier M\u00fche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum ist das \u00fcberhaupt ein Thema, mit dem ich dich bel\u00e4stige? Warum ist es ein Problem, dass Drucker und Deming immer dann angerufen werden, wenn wir \u00fcber Management sprechen? Warum ist es ein Problem, dass sie einfach normale Menschen waren, die ihre Sache gr\u00fcndlich studierten, unz\u00e4hlige Unternehmen erlebt hatten, ihre Ideen verfeinerten und dass dabei etwas ziemlich Ordentliches herauskam? Ja, sie sind nur Menschen. Das Problem ist, dass wir sie in etwas Handlicheres verwandeln. Einen Namen, ein Zitat, ein Image. Das ist die S\u00fcnde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In unz\u00e4hligen Reden h\u00f6rte ich Deming zitiert: If you can&#8217;t measure it, you can&#8217;t manage it. Ich sehe es auf LinkedIn und Instagram \u2014 unter einem \u00e4lteren Herrn in Graut\u00f6nen und immer mit schwarzem Hintergrund. Charmant. Das eigentliche Problem ist nicht einmal, dass das Zitat f\u00e4lschlicherweise Deming zugeschrieben wird. Wirklich problematisch ist, dass es absolut falsch ist und das genaue Gegenteil von dem, was Deming sagte: \u201cIt is wrong to suppose that if you can\u2019t measure it, you can\u2019t manage it \u2013 a costly myth.\u201d Das Argument handelte davon, wie sch\u00e4dlich Management by Numbers ist. Daten sind wichtig, aber sie sind ganz sicher nicht das Einzige und m\u00fcssen sehr sorgf\u00e4ltig in der Analyse von Problemen verwendet werden, nicht im Management von Organisationen. Zwei verschiedene Dinge, bitte immer daran denken, und das sage ich auch mir selbst, denn ich habe diese S\u00fcnde ebenfalls begangen, in Vortr\u00e4gen, in Trainings, mit genau diesem Zitat. Und es gibt mehr Beispiele daf\u00fcr \u2013 und es passiert auch in anderen Bereichen. Freunde haben mir das best\u00e4tigt. Meine Frau sagte mir, es passiere sogar in der P\u00e4dagogik. Montessori falsch zitieren. Wie k\u00f6nnen sie nur?! Moment, wer ist\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum bin ich dar\u00fcber so schockiert? Nun, ich habe zuerst Literatur studiert, und dort ist so etwas \u2013 neben Plagiarismus \u2013 ungef\u00e4hr das schlimmste Verbrechen, das man begehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In anderen Beispielen ist es etwas subtiler. Manchmal macht man ein Zitat einfach ein bisschen knackiger. Okay, weder Drucker noch Edgar Schein haben je gesagt: \u201cCulture eats strategy for breakfast.\u201d Aber Schein sagte, dass \u201c\u2026 culture determines and limits strategy \u2026\u201d, und das stand in einem Abschnitt \u00fcber Konflikte bei der Fusion von Unternehmen. Aber okay, das ist nicht so schlimm. Die Bedeutung ist noch da, irgendwie, irgendwo.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Irgendwie ist das Problem. Zeit f\u00fcr Daniel J. Boorstins The Image. Geschrieben 1962, beschrieb Boorstin, wie sich Journalismus vom Berichten \u00fcber Ereignisse hin zum Miterschaffen von Ereignissen verschob. Die damals aufkommenden Massenmedien hatten eine enorme Nachfrage nach dem geschaffen, was sie verkaufen wollten: News. Aber News kommen nicht in einem regelm\u00e4ssigen, konstanten Strom, wie zum Beispiel \u00d6l, oh, Moment\u2026 Nun, denk dir etwas anderes aus. Also werden News geschaffen \u2013 von den Media, von Regierungen, von Unternehmen, die Events inszenieren, \u00fcber die die Media dann berichten k\u00f6nnen. Du findest das schrecklich, unmoralisch, komplett und v\u00f6llig falsch? Eigentlich passen eine Pressekonferenz, eine Produktpr\u00e4sentation, die Safety Message, die du am Montagmorgen in deiner Inbox erh\u00e4ltst, perfekt in diese Kategorie. Diese pseudo-events, wie Boorstin sie nennt, ein relativ frisches Konzept in der Mitte des letzten Jahrhunderts, sind heute die Norm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Events geht er zu Menschen \u00fcber. Personen, die rein daf\u00fcr bekannt sind, bekannt zu sein, sind im Grunde das menschliche \u00c4quivalent von pseudo-events. Oh, Moment, das kenne ich\u2026 Ah, Celebrities. Ja, Boorstin unterscheidet zwischen Helden oder Menschen, die f\u00fcr ihre Leistungen, ihren Mut oder ihre moralischen Handlungen bekannt sind, und Menschen, die einfach sichtbar sind. Ich muss mich hier kurz sammeln. Das ist alles zu vertraut. Und ich meine nicht die Instagram Celebrities und YouTubers. Die eigentliche Schwere liegt in den subtileren Formen dieses Ph\u00e4nomens, dort, wo es eher eine Verschiebung ist: der Politiker, der mehr zur Medienpers\u00f6nlichkeit wird, der CEO, der st\u00e4rker auf B\u00fchnen und Social Media pr\u00e4sent zu sein scheint als im Boardroom. Ich erspare dir Boorstins ganzen Riff dar\u00fcber, dass niemand mehr ein Reisender ist und wir alle Touristen geworden sind. Und \u00fcbrigens sind pseudo-events per Definition nicht unwahr, Celebrities auch nicht und Tourismus auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ist also das Problem mit diesem pseudo-Ding? Okay, wir m\u00f6gen manche dieser inszenierten events oder diese used-to-be-the-real-deal-celebrities nicht, aber sie tun niemandem weh, oder? Das Problem liegt nicht bei irgendjemandem oder irgendetwas Bestimmtem. Es liegt darin, was mit der Beziehung zwischen den beiden passiert ist. Das Ideal \u2013 also das, was das Event, der Held oder die Reise eigentlich bedeutet \u2013 wurde vom Image getrennt: dem fabrizierten Event, der Celebrity, der gut organisierten, verpackten Asienreise f\u00fcr nur 999.\u2013, Flughafen- and Tourismustaxen nicht inklusive. Und das Ideal ist etwas Forderndes. Es beurteilt die Realit\u00e4t. Es kostet Anstrengung, Disziplin und Ver\u00e4nderung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denk zum Beispiel an Improvement Actions in Unternehmen. Die Zeit, die es braucht, dranzubleiben; Stunden langweiliger Datenanalyse, Prozessanalyse, der Versuch, nie einen Schritt zu \u00fcberspringen, endlose konzentrierte Diskussionen, die Arbeit mit den Bed\u00fcrfnissen und W\u00fcnschen der Stakeholders, um Buy-in zu bekommen, und dann noch ein Dutzend weitere Runden, um sie dazu zu bringen, die Kosten zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Images sind Comfort Food. Ihr ganzer Zweck, ihre Intention, ist es, konsumiert zu werden. Sie sind gemacht, um attraktiv, einfach und n\u00fctzlich zu sein. Sie fordern nichts heraus. \u201cWe are trying to become the best quality provider of smartphones and we are not there yet.\u201d Das ist eine Organisation, die in Idealen spricht. Eine Image Company sagt einfach: \u201cWe are the best!\u201d&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber das kennen wir doch alle, oder? Das ist einfach gute Werbung. Es ist Apples kreatives und rebellisches Think Different. Es ist Nikes Just Do It. Oder einer meiner liebsten Patagonia slogans: Don\u2019t Buy This Jacket, das ein Flair von ethischem Anti-Consumerism erzeugt. Was mich beunruhigt, ist nicht so sehr, dass ich oder wir \u2013 wir armen Konsumenten \u2013 von diesen Phrasen get\u00e4uscht w\u00fcrden. Denn das werden wir nicht, oder? Wir wissen, dass Apple ein straff organisiertes Tech-Unternehmen sein muss und dass nur sehr wenige seiner Mitarbeitenden wirklich kreativ und individualistisch sein k\u00f6nnen. Nike versucht einfach, dich zu motivieren, denn Just Do It sagt mir nicht einmal etwas \u00fcber das Produkt. Es ist eine Message an mich als Sportler. Und Patagonia versucht buchst\u00e4blich, mir eine Jacke zu verkaufen, indem sie sagt, ich solle keine kaufen. Aber all das ist doch nur Hintergrundsl\u00e4rm, oder? Nein, es ist viel mehr als das.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Slogans sind nicht falsch im groben Sinn. Sie sind sogar schlimmer als falsch: frictionless. Sie entfernen die Grenzen, den Konflikt, die eigentliche Arbeit. Und obendrauf arbeiten sie \u2013 die Slogans, die Images \u2013 gegen das Ideal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Siehst du, zumindest nach Boorstin ersetzen Organisationen zunehmend Ideale durch Images. Weniger \u201cWhat must we do?\u201d. Mehr \u201cHow should we be seen?\u201d. Das Zeigen entzieht dem Tun Energie. Lies ihn. Die Analyse ist mehr als ein halbes Jahrhundert alt und heute relevanter als zum Zeitpunkt ihrer Ver\u00f6ffentlichung. Denn wir sehen das heute, oder? Wir tun das heute, ich tue das heute. Keine Safety-Bem\u00fchungen ohne Kampagne. Keine Kundenpr\u00e4sentation ohne bedeutungslose Slogans vor einem bunten AI-generierten Bild. Keine Reise ohne Instagram Post.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und Boorstin ist nicht allein. Nimm Erving Goffmans The Presentation of Self in Everyday Life, erschienen 1959. Soziale Interaktion kann man sich wie ein aufgef\u00fchrtes Theaterst\u00fcck vorstellen. Es gibt eine Frontstage und eine Backstage. Sie sind absichtlich getrennt. Du kannst das Publikum nicht sehen lassen, was hinten passiert. Sonst g\u00e4be es kein St\u00fcck. Du siehst in einem Restaurant nicht die K\u00fcche. Kunden sehen nicht, was in einer Organisation wirklich geschieht. Manchmal mag ich ihn lieber als Boorstin, denn obwohl sie mehr oder weniger dasselbe beschreiben, analysiert Goffman klinisch, ohne Urteil: So funktionieren soziale Interaktionen nun einmal. Das beruhigt mich ein wenig, immer wenn ich auf eine B\u00fchne trete und die neueste Produktion von \u201cHail to PDCA and RCA\u201d oder \u201cWaiting for WIIFM\u201d auff\u00fchre.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben sogar Akronyme geschaffen, um diese Akronyme zu erschaffen. KISS, BLUF, SCQA, ELI5 und eines, das ich tats\u00e4chlich benutze: SUCCESs \u2013 kein Typo. Die Methode ist Simple, Unexpected, Concrete, Credible, Emotional, Stories, also kein zweites s. Abgesehen von diesem Acronym-Verbrechen ist dieser Ansatz der Heath Brothers sehr gut. Er ist solide, \u00fcbersimplifiziert nicht, denn selbst Simple bedeutet eher, zum Kern einer Idee vorzudringen, und nicht einfach, sie zu leicht verdaulichen Slogans zu verdummen. Unexpected ist ein cleverer Trick, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Concrete zu sein ist immer wichtig, weil es Aussagen oft klarer macht. Und wer k\u00f6nnte gegen die Bedeutung von Credibility argumentieren? Ich bin nicht so sehr ein Fan von Emotional und Stories, aber ich verwende sie manchmal, wenn auch vorsichtig, weil mir die Gefahr des Ganzen sehr bewusst ist. Simple kann sehr schnell zur Amputation einer Idee f\u00fchren. Concrete, Emotional und Stories entpuppen sich oft als anekdotische, manipulative Wege, Analysis zu ersetzen, statt sie zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was mich aber noch viel mehr beunruhigt, ist das Poster, das ein hungriges kleines Kind zeigt, das dich bittet zu spenden: Ich hasse das. So w\u00fcrde ich es nicht machen. Ich w\u00fcrde Informationen \u00fcber die Region zusammenstellen, die von Hunger betroffen ist, und versuchen, dir verst\u00e4ndlich zu machen, warum Hilfe n\u00f6tig ist. Ich kann dir erz\u00e4hlen, wie die Region aussieht, wer dort lebt, wie die historische und wirtschaftliche Entwicklung verlief, was tats\u00e4chlich geschieht. Wenn das nicht ankommt, habe ich niemanden erreicht, ich habe keinen nachhaltigen Impact erzielt. Ich habe gegen ein besseres Image verloren. Und das wird immer passieren, weil das kleine Kind immer mehr Spenden bekommen wird. Also greife ich auf SUCCESs zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber es bringt mich in schwierige Situationen, in denen ich die richtige Entscheidung treffen muss. Das ist immer die Gefahr bei diesen pseudo-Dingen. Und diese Akronyme sind einfach weitere pseudo-Dinge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und all diese Tools, die so n\u00fctzlich und essenziell wichtig f\u00fcr das Wohlbefinden einer Organisation sind, werden zu Marken, zu einer gl\u00e4nzenden und einfachen Reflexion der Methode. Aber warum, warum machen wir dieses pseudo-Zeug? Nimm Root Cause Analysis \u2013 RCA, ja, schon wieder. Es ist der Shit, von dem immer alle sagen, dass er n\u00f6tig sei. Auditors erwarten es, wenn Leute diese verdammten Audit Follow-up Reports ausf\u00fcllen m\u00fcssen. Qualit\u00e4tsleute sagen, es mache Verbesserung nachhaltig, weil nicht der Baum das eigentliche Problem sei, sondern die Wurzel. Eigentlich ist keines von beidem das Problem \u2013 B\u00e4ume und Wurzeln sind L\u00f6sungen, keine Probleme. Und dieser Typ, ja, schau ihn dir an, dieser Auditor-Quality-Trainer-Mismatch bin ich, genau das mache ich. Die Sache ist: Wir m\u00f6gen die Marken, das, was sie uns sagt, das Image. Die Wahrheit ist das, was wir nicht sehen wollen. Denn die unbequeme Wahrheit \u00fcber Root Causes ist: Sie zeigen uns, dass wir in Organisationen oft fundamentale oder systemische Probleme haben. Dinge, die wirklich gross sind, wirklich teuer, die erhebliche Ver\u00e4nderungen erfordern w\u00fcrden. Sehr oft gef\u00e4llt uns also nicht, was wir sehen, wenn wir tiefer graben. Wir ziehen es vor, das Loch mit einem h\u00fcbschen Sticker RCA oder Continuous Improvement Champion zuzudecken, statt es zu reparieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn du dem Fehler nicht ins Gesicht sehen kannst, ihm Auge in Auge begegnest und ihn mit nachhaltiger Ver\u00e4nderung niederstarrst, wirst du scheitern. Wenn du nicht neugierig genug bist, in diesen Root-Cause-Bau hinabzusteigen, bist du weniger geeignet f\u00fcrs Management als ein kleines M\u00e4dchen namens Alice. Sch\u00f6nreden hilft niemandem, nicht dir, nicht deiner Organisation, nicht deinen Kunden und nicht deinem Market Value. Ich zeige auf dich, aber denke an mich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Don Quixote verlor immer wieder die Verbindung zur Realit\u00e4t. Er konnte nicht aufh\u00f6ren, Riesen zu sehen, wo nur Windm\u00fchlen standen. Das Image verschlang die Realit\u00e4t. Ich bin nicht sicher, ob ich das selbst immer vermeide.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn genau jetzt sitze ich an meinem Schreibtisch, hacke fieberhaft auf meine Tastatur ein und hoffe, dass ihr mich alle liebt. Am Ende mache ich das nicht f\u00fcr euch, sondern haupts\u00e4chlich f\u00fcr mich selbst, und das ist wahrscheinlich die unbequeme Wahrheit hinter Goffman und Boorstin. Nicht, dass wir etwas mit Images \u00fcberdecken. Nicht, dass wir uns hinter dem Vorhang verstecken. Wir haben Angst vor den Idealen dahinter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist dein Job nur Show? Geht es der Organisation, f\u00fcr die du arbeitest, nur um Shareholder Value? Bin ich gut genug f\u00fcr diese Welt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich versuche es, ich versuche es wirklich, glaub mir. Aber wie kann ich sicherstellen, dass ich euer Vertrauen verdiene?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube, da gibt es noch mehr zu entdecken. Schlimmer: Es schliesst mich selbst mit ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deine Gedanken: <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/posts\/markus-stettler-90871977_management-leadership-continuousimprovement-share-7464923859629236224-R2_i\/?utm_source=share&amp;utm_medium=member_desktop&amp;rcm=ACoAABBNVtgBjgq3Sbwd7HUqq-IfX1ialcL0RRg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LinkedIn<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Glaub mir nicht einfach so, hier sind ein paar gute B\u00fccher:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daniel J. Boorstin, The Image, 1962<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erving Goffman, The Presentation of Self in Everyday Life, 1959<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W. Edwards Deming, The New Economics, 1993<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Chip Heath &amp; Dan Heath, Made to Stick, 2007<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Miguel de Cervantes, Don Quixote, 1605<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe dieses T-Shirt \u2013 na ja, du hast das Bild gesehen. D&amp;D \u2013 Drucker &amp; Deming. Bringt mich immer zum Lachen \u2013 mich und die sehr, sehr wenigen Menschen, die es verstehen. 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