{"id":187,"date":"2026-07-28T03:04:55","date_gmt":"2026-07-28T03:04:55","guid":{"rendered":"https:\/\/markusstettler.com\/?p=187"},"modified":"2026-07-28T03:04:57","modified_gmt":"2026-07-28T03:04:57","slug":"its-not-about-hugging-trees-baby-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/markusstettler.com\/?p=187&lang=de","title":{"rendered":"It\u2019s not about hugging trees, baby"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er packte seine Sachen zusammen und r\u00e4umte die H\u00fctte. Die S\u00e4cke mit dem Mais standen noch immer auf dem Tisch, zusammen mit dem Staub vom Boden draussen. Zumindest war es einmal Boden gewesen, bevor der ausbleibende Regen ihn in Beton verwandelt hatte. Der letzte Tropfen Wasser, den er ber\u00fchrt hatte, waren die Tr\u00e4nen seiner Kinder gewesen. Sie wollten nicht weg, aber sie mussten. In der Stadt w\u00fcrde es wenigstens Arbeit geben, hier gab es ganz sicher keine mehr. Darum machte er die H\u00fctte zu. Auch er w\u00fcrde gehen, um Arbeit zu finden. Aber die Maiss\u00e4cke standen noch immer auf dem Tisch. Alles andere war verstaut. Diese brauchten einen besonderen Platz, ganz hinten, sicher und gesch\u00fctzt. Bei all dem Hunger durften sie nicht anger\u00fchrt werden. Alle Besitzt\u00fcmer waren f\u00fcr Essen verkauft worden, das Vieh war weg. Aber die S\u00e4cke mit dem Saatgut, die waren heilig. Ohne sie g\u00e4be es kein n\u00e4chstes Jahr, keine Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es klingt vielleicht so, aber das hier soll keine r\u00fchrselige Geschichte sein. Es zeigt, worum es bei Sustainability wirklich geht. Ich mache zweimal im Jahr Seminare zu ihrem aktuellen Business-Akronym ESG. W\u00e4hrend der Vorstellungsrunde frage ich die Teilnehmenden, was Sustainability f\u00fcr sie pers\u00f6nlich bedeutet. Meistens bekomme ich eine von zwei Reaktionen. Die eine H\u00e4lfte des Raums ist laserfokussiert auf ESG-Reporting-Standards und Regulierungen. Die andere H\u00e4lfte zuckt beim Wort \u00abSustainability\u00bb zusammen \u2014 zu Greenpeacey, zu politisch, zu weich, kein echtes Business-Thema. Beide verfehlen den Punkt. Den Punkt, den der Bauer bereits verstanden hatte.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die vorstandstaugliche Version: Sustainability ist keine ethische Diskussion. Sie ist ein Prinzip des Ressourcenmanagements. Der Unterschied ist wichtig, weil das eine Wert\u00fcbereinstimmung verlangt, das andere nur Rechnen. Jede Ressource, die dein Unternehmen braucht, hat eine Regenerationsrate: Mitarbeitende, Kunden, Lieferanten, nat\u00fcrliche Inputs. Dein Management-Zeithorizont ist wahrscheinlich k\u00fcrzer als die meisten dieser Regenerationszyklen. Die historische Antwort auf Ressourcenverknappung war fast immer Displacement \u2014 eine andere Quelle finden \u2014 statt Management. Eine Displacement Strategy funktioniert, wenn die neue Ressource eine h\u00f6here oder vergleichbare Regenerationsrate hat. Wenn nicht, wird aus Displacement die Liquidation von Bestand. 79% der Manager, die McKinsey und CPPIB befragt haben, sagten, sie f\u00fchlten sich unter Druck, innerhalb von zwei Jahren oder weniger starke finanzielle Performance zu zeigen. Der Regenerationszyklus fast jeder wichtigen Ressource ist l\u00e4nger als das. Carlowitz pr\u00e4gte den Begriff 1713 und entwarf das Drei-Schritte-Programm. Er war ein deutscher Bergbauadministrator, der Holzknappheit l\u00f6sen musste. Sein Programm gilt bis heute: Nutze das, was du hast, effizienter, finde Alternativen dort, wo die Ressource ersch\u00f6pft wird, investiere in die Regeneration des Nachschubs, bevor du ihn brauchst. Dein Job als Manager ist nicht, den Planeten zu retten. Dein Job ist, die Rechnung f\u00fcr die Ressourcen zu machen, welche du brauchst. Sustainability ist nicht B\u00e4ume umarmen, sondern gute Business Practice.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein fr\u00fcher Strang dieser Idee taucht bei Quesnay und den Physiokraten auf \u2014 nein, das ist keine Punk Band. Es war eine Bewegung, die ungef\u00e4hr ab den 1750s in Frankreich aktiv war. Fran\u00e7ois Quesnay, ein k\u00f6niglicher Arzt, ver\u00f6ffentlichte das \u00abTableau \u00c9conomique\u00bb, in dem er ein fr\u00fches Modell der Wirtschaft als Kreislauf beschrieb. Darin ist die Quelle des Reichtums die Natur \u2014 Land, Boden, Ernte und so weiter. Wirtschaft wird damit als eine T\u00e4tigkeit verstanden, die nicht einfach nur Dinge aus der Natur produziert, sondern so zirkulieren muss, dass sie Jahr f\u00fcr Jahr weitergehen kann. Jeder \u00dcberschuss \u2014 vor allem der finanzielle \u2014 in der Wirtschaft kommt aus dem Land selbst. Damit Wachstum weitergehen kann, muss die Natur also erhalten bleiben. Das war eine extreme Sicht, weil sie allen Wert aus Produktion ablehnte. Aber es war der erste Versuch, ein \u00f6konomisches Modell zu schaffen, das nicht \u00fcber der Natur steht, sondern sie als Grundlage verstand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwa zur gleichen Zeit hatte die Forstwirtschaft sowohl in England als auch in Deutschland ein praktischeres Problem. Holz war seit Jahrhunderten das wichtigste Baumaterial gewesen \u2014 und dazu Brennstoff f\u00fcrs Heizen und Kochen. Ende der 1600s zeigten der grosse Schiffsbau in England und der Bergbau in Deutschland erste Anzeichen daf\u00fcr, dass die nat\u00fcrlichen Holzbest\u00e4nde knapp wurden \u2014 sprich: Sie gingen voll Saruman auf die W\u00e4lder los. Beide L\u00e4nder mussten das Problem unabh\u00e4ngig voneinander l\u00f6sen. Zwei Personen und zwei B\u00fccher sind hier wichtig. In England war es John Evelyn mit \u00abSylva; or, A Discourse of Forest-Trees and the Propagation of Timber in His Majesty\u2019s Dominions\u00bb von 1664, und in Deutschland war es Hans Carl von Carlowitz mit der \u00abSylvicultura oeconomica\u00bb von 1713. Beide l\u00f6sten das Problem intellektuell, aber wir konzentrieren uns auf Carlowitz, weil seine Ideen viel mehr Auswirkungen hatten \u2014 eigentlich bis heute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Evelyn ein Wissenschaftler war, der f\u00fcr die Royal Society arbeitete, war Carlowitz Bergbauadministrator in Sachsen. Er hatte eine gute Ausbildung, studierte Recht und \u00f6ffentliche Verwaltung und machte \u2014 f\u00fcr einen jungen Adeligen ziemlich \u00fcblich \u2014 eine Grand Tour, also eine Art Studienreise, die ihn nach London, Paris, Rom und an viele andere Orte f\u00fchrte. Er war nicht als F\u00f6rster ausgebildet, kam aber aus einer Familie von F\u00f6rstern. 1708 erhielt er ein Krisenmandat: Der s\u00e4chsische Bergbau hatte nicht mehr genug lokales Holz, und die Preise stiegen. Er sollte eine L\u00f6sung finden. Also schrieb er ein Buch. Und das ist die Geburt des Begriffs Nachhaltigkeit \u2014 \u00absustainable\u00bb, wie wir ihn heute auf Englisch kennen: \u00ab\u2026 da\u00df es eine continuirliche best\u00e4ndige und nachhaltende Nutzung gebe \/ weil es eine unentbehrliche Sache ist \/ ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag.\u00bb Gemeint ist: eine dauerhafte, verl\u00e4ssliche Nutzung, ohne die das Land in seiner Existenz nicht bestehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Carlowitz gestaltete ein praktisches Drei-Schritte-Programm, das dem, was wir bis heute verwenden, nicht un\u00e4hnlich ist. Erstens Effizienz \u2014 die Ressource besser nutzen, also weniger einsetzen, um denselben Effekt zu erreichen. Zweitens Substitution \u2014 wenn m\u00f6glich Alternativen zur Ressource finden. Und drittens Regeneration \u2014 in die Zukunft der Ressource investieren. Im Fall von Holz war das Aufforstung, und davon gibt es im Buch eine Menge. Aber allgemeiner hatte er nicht nur die Kernidee von Sustainability gefunden, sondern das ganze Programm. Er erkannte, dass Sustainability mit drei Themen zu tun hatte: Ressourcenmanagement, soziale Gerechtigkeit \u2014 er nannte Nahrung und Unterhalt f\u00fcr alle, und dass das Gemeinwohl wichtiger sei als der Schatzkammer des F\u00fcrsten \u2014 und auch Verantwortung f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen. Er kritisierte im Buch sogar kurzfristiges Denken. Das Buch ist als historische Quelle ziemlich erstaunlich \u2014 versuch aber nicht, es zu lesen, das Deutsch mit viel zu starkem Lateineinfluss ist wirklich m\u00fchsam. Such dir lieber einen Sekund\u00e4rtext \u2014 zum Beispiel Grobers \u00abDie Entdeckung der Nachhaltigkeit\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was daran so erstaunlich ist: Carlowitz hat die vollst\u00e4ndige Sustainability-Definition in seinem Buch \u00fcber Forstwirtschaft 250 Jahre vor dem Brundtland Report von 1987, der heute als die massgebliche Definition gilt: \u00abNachhaltige Entwicklung ist Entwicklung, die die Bed\u00fcrfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die F\u00e4higkeit zuk\u00fcnftiger Generationen zu gef\u00e4hrden, ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen.\u00bb Aber die Idee stammt aus dem Jahr 1713.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seitdem hat sich die Idee erweitert, meistens ohne dass die Denker \u00fcberhaupt von Carlowitz wussten. Adam Smith verwendete 1776 nachhaltiges Denken, als er \u00fcber Wirtschaft im Allgemeinen schrieb. Produktive Arbeit muss das Kapital reproduzieren, das sie verbraucht hat, plus einen \u00dcberschuss, sonst schrumpft der Output im n\u00e4chsten Jahr. Der Output dieses Jahres muss die Aktivit\u00e4t des n\u00e4chsten Jahres auf gleichem oder h\u00f6herem Niveau finanzieren, sonst ist das System nicht nachhaltig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Marx wandte das Prinzip 1867 auf Arbeit an. Arbeitskraft \u2014 du weisst schon, arbeitende Menschen \u2014 muss reproduziert werden. Die Arbeiterschaft hat eine Regenerationsrate wie jede nat\u00fcrliche Ressource auch. Das bedeutet: Es m\u00fcssen neue Menschen geboren werden und aufwachsen, damit sie irgendwann zu Arbeitern werden. Er kritisierte das Fabriksystem, weil es diese Ressource ersch\u00f6pfte, indem es Frauen und Kinder in die Produktion zog und damit die Haushaltsfunktion kannibalisierte, die die n\u00e4chste Generation von Arbeitern hervorbrachte. Das klingt sehr antifeministisch \u2014 und das ist es auch, aber das war die Zeit \u2014 und es ist eine sehr kalte Betrachtungsweise \u2014 und das ist es ebenfalls. Schau, was immer du von Marxs Politik h\u00e4ltst: Diese ganze Passage im \u00abKapital\u00bb enth\u00e4lt kein politisches oder ethisches Argument. Sie ist reine Ressourcenlogik, gest\u00fctzt auf Daten von Fabrikinspektoren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hicks schrieb 1939 in seiner ber\u00fchmten formalen Definition von Einkommen, dass Einkommen der maximale Konsum w\u00e4hrend einer Periode ist, bei dem man am Ende genauso gut dasteht wie am Anfang. Das bedeutet: Du kannst deine Kapitalbasis nicht konsumieren und es Einkommen nennen. Das ist kein Einkommen. Das ist Liquidation. Genau das passierte in der grossen Shareholder-Maximization-Bewegung von den 1970s bis heute. Und es war Hicks, der das Prinzip von Sustainability auf Kapital und Einkommen anwandte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hobfoll verwendete es 1989 in der Psychologie in seiner \u00abConservation of Resources Theory\u00bb, auf Deutsch etwas schwerf\u00e4llig Ressourcenerhaltungstheorie. Menschen versuchen, die Ressourcen zu gewinnen, zu sch\u00fctzen und wiederaufzubauen, die sie brauchen, um funktionieren zu k\u00f6nnen. Stress entsteht, wenn diese Ressourcen bedroht, verloren oder ohne R\u00fcckfluss investiert werden \u2014 du weisst schon, zum Beispiel in einer Firmenkultur, die konsequent mehr verlangt, als sie zur\u00fcckgibt. Diese Ressourcen haben einen Erneuerungszyklus \u2014 Atmen, Meditation, arbeitsfreie Zeit. Aber zu viel oder zu intensive Arbeit kann diesen Zyklus \u00fcberfordern. Ein Unternehmen, das Aufmerksamkeit, Vertrauen, Kompetenz und Customer Goodwill verbraucht, ist nicht nachhaltig. Es liquidiert seine eigene Zukunft. Das ist Hobfolls individueller Rahmen \u2014 die organisatorische Anwendung ist von mir, aber die Logik h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieselbe Logik gilt f\u00fcr Kundenbeziehungen. Dr\u00e8ze und Bonfrer zeigten 2009, dass die Maximierung des Werts aus einzelnen Kunden \u2014 im Moment so viel wie m\u00f6glich herausholen \u2014 zu einer kleineren und weniger profitablen Kundenbasis f\u00fchrt, als wenn man den Kundenpool als erneuerbare Ressource behandelt, die gepflegt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grundidee findet man \u00fcberall. Aber warum ist es dann heute so ein Problem, sie anzuwenden? Einer der Gr\u00fcnde ist, dass es in den 1870s etwas gab, das Marginal Revolution genannt wird. Sie griff Sustainability nicht direkt an, sondern das, was Wert in der \u00d6konomie bedeutet. Unabh\u00e4ngig voneinander kamen einige Autoren auf die brillante Idee, dass der objektive Wert eines Produkts \u2014 auf Basis von Ressourcen und Arbeit \u2014 \u00f6konomisch nicht wirklich wichtig sei. Wichtig sei nur der Preis, den jemand bereit ist, daf\u00fcr zu bezahlen. Wenn aber Ressource oder Arbeit nicht mehr wichtig sind, wurde auch die Frage \u00abIst die Ressource n\u00e4chstes Jahr \u00fcberhaupt noch da?\u00bb unwichtig. Preis, abgetrennt von der Quelle des Produkts, wurde zum einzigen Massstab. Das ist ein Grund, warum das Prinzip Sustainability unter die Oberfl\u00e4che verschwand: Sobald Preis das einzige sichtbare Signal wird, kann die Ressourcenbasis aus dem Blick verschwinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis Politik und \u00d6kologen \u2014 und sogar Unternehmen \u2014 es in der zweiten H\u00e4lfte des letzten Jahrhunderts wiederentdeckten. Seit den 1960s wurde der schlechter werdende Zustand der Umwelt immer offensichtlicher. Der Club of Rome, die UN im Brundtland Report, die Umweltkonferenzen und sp\u00e4ter die Sustainable Development Goals reagierten auf einen klaren Bedarf. Sustainability wurde zu einer Umweltidee. Eine Vielzahl von NGOs wurde gegr\u00fcndet und leistet in diesem Bereich grossartige und wichtige Arbeit. Irgendwann tauchte das Wort auch in anderen Bereichen auf. Wir sahen es im Marketing als etwas, das langlebig oder von guter Qualit\u00e4t bedeutet \u2014 eine nachhaltige Jacke \u2014 oder bei Produkten, die irgendeine Verbindung zu Recycling oder zum Offsetting von Umweltauswirkungen haben. Der Missbrauch von Begriffen ist nat\u00fcrlich nicht neu. Humpty Dumpty bei Lewis Carroll sagte schon: \u00abWhen I use a word it means just what I choose it to mean.\u00bb Alice antwortet: \u00abThe question is whether you can make words mean so many different things.\u00bb Worauf Humpty Dumpty kontert: \u00abThe question is which is to be master \u2014 that&#8217;s all.\u00bb Wer ein Wort kontrolliert, kontrolliert seine Bedeutung. Das Problem ist nur, dass fast alles, was dieser Typ sagt, komplett bescheuert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00f6rter haben Bedeutung, und sie sind wichtig. Sustainability kommt vom lateinischen sustinere \u2014 von unten her st\u00fctzen \u2014 strukturelle Tragf\u00e4higkeit, wenn du so willst. Das deutsche \u00abNachhalt\u00bb bedeutet das, woran man sich h\u00e4lt, wenn alles andere nachgibt. Und das stammt aus einem der ersten W\u00f6rterb\u00fccher \u2014 \u00abCampes W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache\u00bb, ver\u00f6ffentlicht zwischen 1807 und 1811. Zwei Sprachen, unterschiedliche Bilder, dasselbe Konzept: Tragf\u00e4higkeit unter Druck. Und wir entdecken etwas, das eigentlich auch aus der Entwicklung des Begriffs klar sein sollte. Die Kernlogik von Sustainability ist nicht zuerst politisch, \u00f6kologisch oder ethisch. Diese Schichten k\u00f6nnen dazukommen, und oft sollten sie das auch. Aber das Grundprinzip braucht sie nicht. Es braucht nur Arithmetik: Verbrauche eine Ressource nicht schneller, als sie sich regenerieren kann. Sustainability war immer in Business und Ressourcenmanagement verwurzelt. Carlowitz war Bergbauadministrator. Evelyn reagierte auf eine Versorgungskrise der Marine. Die Physiokraten analysierten landwirtschaftliche Produktivit\u00e4t. Smith und Marx schrieben \u00fcber industrielle Produktionssysteme. Hicks definierte Kapitalrechnung. Hobfoll schrieb \u00fcber Arbeitspsychologie. Und es gibt viele mehr \u2014 etwa Dr\u00e8ze &amp; Bonfrer, die \u00fcber Customer Relationship Management schrieben. Jede ernsthafte Formulierung des Konzepts stammt von jemandem, der ein Ressourcenproblem in einem Produktionssystem l\u00f6sen wollte. Die ethischen und politischen Versionen kamen sp\u00e4ter \u2014 oft aus guten Gr\u00fcnden. Aber sie liessen Manager auch vergessen, dass die Grundversion viel einfacher war. Dir wurde also eine Version des Konzepts verkauft, die seine urspr\u00fcngliche Bedeutung verdeckt und, noch wichtiger, seine Anwendung und Nutzung verkompliziert. Brundtland verlangt ein ethisches Commitment gegen\u00fcber zuk\u00fcnftigen Generationen. Das Sustainability Triangle verlangt eine politische Balance zwischen drei Bereichen. Religi\u00f6se Stewardship verlangt eine theologische Pr\u00e4misse. Nur die Forstdefinition \u2014 schlag nicht mehr Holz, als nachw\u00e4chst \u2014 verlangt keine ethische Pr\u00e4misse. Nur Arithmetik und einen Zeithorizont, der l\u00e4nger ist als die Ernte dieses Jahres.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ging immer darum, die Zahlen zusammenzurechnen. Wie bei einem der wichtigsten Sustainability-Werkzeuge, der Displacement Strategy. Die historische Antwort auf Ressourcenverknappung war fast immer Verdr\u00e4ngung \u2014 der Austausch einer Ressource durch eine andere \u2014 statt Management des Verbrauchs. Als Venedig seine W\u00e4lder ersch\u00f6pfte und ungarisches Holz importierte, verdr\u00e4ngte es lokales Holz durch ausl\u00e4ndisches Holz. England ersetzte Holz als Heizquelle durch Kohle. Das Problem der Displacement Strategy ist, dass sie von der Regenerationszeit des Ersatzes abh\u00e4ngt. Holz zu Kohle: negativer Tausch \u2014 du ersetzt eine Ressource mit einem jahrzehntelangen Regenerationszyklus, Holz, durch eine, die Millionen Jahre braucht, Kohle. Kohle zu Solar: positiver Tausch \u2014 du ersetzt einen so gut wie nicht erneuerbaren Bestand durch eine Ressource, deren Regenerationsrate jede denkbare Konsumrate \u00fcbersteigt. Displacement funktioniert, bis die Regenerationszeit des Ersatzes den menschlichen Planungshorizont \u00fcbersteigt \u2014 wie bei Kohle oder \u00d6l. Ab diesem Punkt managst du keine Ressource mehr, sondern liquidierst einen Bestand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das l\u00e4sst sich auch auf andere Business-Bereiche anwenden: qualifizierte Workforce durch billige ausgelagerte Arbeit ersetzen, Lieferanten \u00fcber ihre Resilienzgrenze hinaus auspressen, kurzfristige Customer Extraction maximieren \u2014 das sind alles Displacement Strategies. Sie funktionieren, bis der Bestand aufgebraucht ist, weil du die Regenerationsrate nicht ber\u00fccksichtigt hast. Und wenn sie nicht mehr funktionieren, ist die Infrastruktur, es anders zu machen, meistens bereits abgebaut. Die Zahlen gehen nicht auf. Es ist nicht nur nicht nachhaltig, es ist nicht logisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grund, warum das so wichtig ist, ist der Anwendungsteil, auf den ich vorhin hingewiesen habe. Indem Sustainability auf eine globale Ebene gehoben wurde \u2014 mit dem Club of Rome, Brundtland und den Klimakonferenzen \u2014 wurde die Anwendung von Sustainability als Business Practice in den K\u00f6pfen von Managern schwieriger. Versteh mich nicht falsch: Die globale Diskussion \u00fcber sustainable oder umweltfreundliche Entwicklung ist real und notwendig. Manche Themen m\u00fcssen \u2014 auch, und sehr wichtig: auch, aber nicht ausschliesslich \u2014 auf internationaler oder nationaler Ebene angegangen werden. Aber der Scope Shift vom einzelnen Wald zum planetaren System hat die Verbindung zwischen Sustainability und der Entscheidung auf Unternehmensebene gebrochen. Unternehmen schauen auf globale Ziele und Grenzen und denken: hat nichts mit meinen Quartalszahlen zu tun. Und das ist nicht wahr, und es ist auch nicht kompliziert. Die Verbindung ist einfacher, als das globale Framing vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dein Job als Manager ist nicht, den Planeten zu retten. Dein Job ist, die Rechnung f\u00fcr deine eigenen Ressourcen zum Funktionieren zu bringen. Jede Ressource, von der dein Business abh\u00e4ngt, hat eine Regenerationsrate. Deine Workforce: Wie lange dauert es, echte Kompetenz aufzubauen? Deine Kundenbasis: Wie hoch ist die nat\u00fcrliche Erneuerungsrate, wenn du aufh\u00f6rst, Loyalit\u00e4t aktiv zu ersch\u00f6pfen? Deine Lieferantenbeziehungen: Wie lange dauert der Wiederaufbau, nachdem du sie \u00fcber ihr Limit hinaus ausgepresst hast? Deine nat\u00fcrlichen Ressourceninputs: Was passiert, wenn die Supply Chain bei den aktuellen Extraktionsraten nicht mehr liefern kann? Der Management-Zeithorizont der meisten Organisationen \u2014 zwei Jahre, gem\u00e4ss 79% der Manager bei Barton &amp; Wiseman 2014 \u2014 ist k\u00fcrzer als der Regenerationszyklus fast jeder Ressource, die z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Carlowitz&#8217; Drei-Schritte-Programm muss auf jede Ressource angewendet werden: Erstens nutze das, was du hast, effizienter. Dann finde Alternativen dort, wo die urspr\u00fcngliche Ressource ersch\u00f6pft wird. Dann investiere in die Regeneration des Nachschubs, bevor du ihn brauchst. Das ist keine Umweltstrategie. Das ist Ressourcenmanagement. Ohne das bist du langfristig nicht mehr im Gesch\u00e4ft. Und obwohl Carlowitz \u00fcber Forstwirtschaft schrieb, geht es bei Sustainability nicht darum, B\u00e4ume zu umarmen. Es ist einfach gute Business Practice, baby.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist wirklich nicht so kompliziert oder schwierig. Die Arbeit muss einfach gemacht werden. Am besten, ohne dass dich jemand dazu zwingt. Denn das ist es, was verantwortungsvolle Menschen tun. Wir denken \u00fcber die Konsequenzen unseres Handelns nach. Sustainability ist also im Grunde das, was Business ist, wenn es endlich erwachsen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei diesem Thema gibt es nichts mehr zu entdecken, nur noch Handeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bist du Teil des Problems oder Teil der L\u00f6sung? \u2014 LinkedIn<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Glaub mir nicht einfach so, hier sind ein paar gute B\u00fccher:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grober, Ulrich. \u00abDie Entdeckung der Nachhaltigkeit\u00bb. Kunstmann Verlag, 2010.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">King, Andrew A., und Michael J. Lenox. \u00abDoes It Really Pay to Be Green? An Empirical Study of Firm Environmental and Financial Performance.\u00bb Journal of Industrial Ecology 5, Nr. 1 (2001): 105\u2013116.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Porter, Michael E., und Claas van der Linde. \u00abToward a New Conception of the Environment-Competitiveness Relationship.\u00bb Journal of Economic Perspectives 9, Nr. 4 (1995): 97\u2013118.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mazzucato, Mariana. \u00abThe Value of Everything: Making and Taking in the Global Economy\u00bb. PublicAffairs, 2018.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Power, Michael. \u00abThe Audit Society: Rituals of Verification\u00bb. Oxford University Press, 1997.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr\u00e8ze, Xavier, und Andr\u00e9 Bonfrer. \u00abMoving from Customer Lifetime Value to Customer Equity.\u00bb Quantitative Marketing and Economics 7, Nr. 3 (2009): 289\u2013320. https:\/\/escholarship.org\/uc\/item\/70t6b7r8<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Barton, Dominic, und Mark Wiseman. \u00abFocusing Capital on the Long Term.\u00bb Harvard Business Review, Januar\u2013Februar 2014.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hobfoll, Stevan E. \u00abConservation of Resources: A New Attempt at Conceptualizing Stress.\u00bb American Psychologist 44, Nr. 3 (1989): 513\u2013524.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Carroll, Lewis. \u00abAlice&#8217;s Adventures in Wonderland\u00bb. 1865.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er packte seine Sachen zusammen und r\u00e4umte die H\u00fctte. 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