{"id":228,"date":"2026-09-08T02:50:26","date_gmt":"2026-09-08T02:50:26","guid":{"rendered":"https:\/\/markusstettler.com\/?p=228"},"modified":"2026-09-08T02:50:28","modified_gmt":"2026-09-08T02:50:28","slug":"of-the-mushroom-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/markusstettler.com\/?p=228&lang=de","title":{"rendered":"\u00abOf the Mushroom\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oder<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was schauen wir uns eigentlich an<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u00abEine Seite von was? Die andere Seite von was?\u00bb, dachte Alice bei sich.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist eine gute Frage, die beantwortet werden muss, bevor wir weitermachen k\u00f6nnen, denn oft untersuchen und analysieren und ver\u00e4ndern und verbessern und vermasseln wir Dinge, ohne uns jemals zu fragen: Was ist eigentlich dieses Ding, das wir uns da anschauen?<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die meisten von uns \u2013 und ich schliesse mich da mit ein, zumindest ein fr\u00fcheres Ich \u2013 tragen ein Bild von Wirtschaftsorganisationen als Maschinen mit sich herum \u2013 Inputs rein, Outputs raus, gesteuert von demjenigen, der die Hebel in der Hand h\u00e4lt. Dieses Bild ist logisch, historisch und rechtlich falsch. Und es lohnt sich, ein wenig unserer Zeit darauf zu verwenden, es genauer anzuschauen, denn was dieses Bild falsch darstellt, pr\u00e4gt alles andere, was wir tun.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wo k\u00f6nnten wir besser anfangen als bei Ronald H. Coase und seinem Paper \u00abThe Nature of the Firm\u00bb von 1937. Das ist jetzt Hardcore-\u00d6konomie, aber wir werden sp\u00e4ter noch andere Perspektiven kennenlernen. F\u00fcr Coase ergibt sich die Definition einer Firma \u2013 wie er sie nennt \u2013 aus dem Grund, warum sie \u00fcberhaupt entsteht. Die Nutzung jeglicher Art von Ressourcen \u2013 Arbeit, Kapital, Wissen, Stahl, Mikrochips oder was auch immer \u2013 \u00fcber den Markt verursacht bestimmte reale Kosten: sie zu finden, den Preis herauszufinden, zu verhandeln, Vertr\u00e4ge abzuschliessen. Diese nennt man Transaktionskosten. Eine Firma ersetzt nun eine Reihe dieser Vertr\u00e4ge durch einen einzigen umfassenden Vertrag. Dadurch sollten die Transaktionskosten tiefer sein. Kosten sind hier allerdings in einem umfassenden Sinn gemeint. Denn wenn du so bist wie ich, denkst du wahrscheinlich: Na ja, es geht doch nicht nur um Kosten, es w\u00e4re auch unglaublich kompliziert \u2013 bis hin zur Unm\u00f6glichkeit \u2013, f\u00fcr all die verschiedenen Ressourcen mit all ihren unterschiedlichen Anbietern einzelne Vertr\u00e4ge abzuschliessen. Aber siehst du, f\u00fcr einen \u00d6konomen wie Coase bedeutet kompliziert einfach h\u00f6here Kosten, was nat\u00fcrlich stimmt, wir sind es nur nicht gewohnt, es so zu nennen. Firmen senken also Transaktionskosten. Punkt. Nat\u00fcrlich erzeugen Firmen auch ihre eigenen internen Kosten \u2013 und genau das setzt ihnen Grenzen \u2013, aber das ist eine andere Diskussion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wieder wollen wir unsere Stimme erheben und sagen: Aber was ist mit Koordination als Grund f\u00fcr Firmen? So viele Menschen, so viele Ressourcen k\u00f6nnen doch nicht einfach funktionieren, ohne dass das alles koordiniert wird. Einverstanden, Koordination ist real, aber sie erkl\u00e4rt nicht wirklich, warum Firmen existieren. Siehst du, Koordination w\u00e4re auch in einem Multiversum von Vertr\u00e4gen m\u00f6glich, es w\u00e4re nur so kompliziert, dass die Transaktionskosten explodieren w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht also immer noch prim\u00e4r um die Senkung von Transaktionskosten. Ich weiss, irgendwie etwas flach, aber hey, es stimmt. Etwas anderes, das Transaktionskosten in die H\u00f6he treibt, ist eine dieser offensichtlichen Tatsachen des Lebens. Wir haben bereits besprochen, dass Zeit und Ver\u00e4nderung Aspekte sind, die immer da sind. Im letzten Essay haben wir gesehen, dass wir st\u00e4ndig Fangen spielen. Die Realit\u00e4t ver\u00e4ndert sich in dem Moment, in dem wir sie betrachten. Und weil sich unsere Wahrnehmung ver\u00e4ndert, ver\u00e4ndert sich sogar die Vergangenheit. Deshalb ist die Zukunft zwangsl\u00e4ufig bis zu einem gewissen Grad unsicher. Nun werden die meisten Vertr\u00e4ge f\u00fcr die Zukunft geschlossen. Detaillierte, individuelle Vertr\u00e4ge \u00fcber den zuk\u00fcnftigen Austausch von Ressourcen abzuschliessen, ist problematisch \u2013 um es klar zu sagen: teuer, nicht unm\u00f6glich. Es ist irgendwie schwierig, einen Vertrag \u00fcber zuk\u00fcnftige Mikrochips abzuschliessen, deren Funktionsweise ich heute noch gar nicht kenne. Eine bessere M\u00f6glichkeit ist dann, das Wissen und die Arbeitskraft einzustellen und sie entwickeln zu lassen, wodurch wiederum die Transaktionskosten sinken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Firmen entstehen also wegen Kosten und \u2013 erlaubt mir, das gesondert hervorzuheben, obwohl es mit Kosten zusammenh\u00e4ngt \u2013 wegen Unsicherheit. Oder anders gesagt: Sie ersetzen individuelle, spezifische Vertr\u00e4ge durch umfassende Vertr\u00e4ge, die innerhalb bestimmter Grenzen lediglich eine Richtung vorgeben \u2013 ich stelle dich als Mikrochip-Ingenieur ein, nicht damit du einen bestimmten, im Voraus definierten zuk\u00fcnftigen Mikrochip entwickelst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wenn ich im Jurastudium eines gelernt habe, dann, dass es immer unterschiedliche Ans\u00e4tze f\u00fcr eine Interpretation oder Definition gibt. Ein anderer w\u00e4re der historische Ansatz. Nun haben wir unsere Hausaufgaben gemacht und die Geschichte der Corporation bereits in einem fr\u00fcheren Essay besprochen. Colin Mayer hat in seinem Buch \u00abProsperity: Better Business Makes the Greater Good\u00bb ebenfalls eine gute Zusammenfassung \u2013 das ganze Buch ist nat\u00fcrlich interessant. Im Wesentlichen zeigt der historische Ansatz, dass Wirtschaftsorganisationen nicht als einfache Maschinen gedacht waren, sondern eher als eigenst\u00e4ndige Entit\u00e4ten oder Personen \u2013 ja, deshalb nennen wir sie heute juristische Personen. Siehst du, es entstand das Bed\u00fcrfnis nach einer Entit\u00e4t, die unabh\u00e4ngig von den einzelnen Menschen war, die \u00fcbernehmen und eigenst\u00e4ndig kontinuierlich handeln konnte. Die Idee entstand schrittweise \u2013 als Entwicklung \u2013, angefangen beim r\u00f6mischen collegium \u00fcber das kanonische Recht und englische municipal charters bis hin zu den Z\u00fcnften. Diese Organisationen sollten eine \u00f6ffentliche und\/oder institutionelle Funktion erf\u00fcllen \u2013 zum Beispiel Steuern einziehen, \u00dcberseehandel betreiben oder Standards f\u00fcr das Handwerk festlegen. Der ganze Kram mit der Kapitalbeschaffung kam erst sp\u00e4ter hinzu, indem man die Corporate Organization \u2013 deren Fokus auf der Leistungserbringung und der Governance lag \u2013 mit der Partnership verschmolz, der traditionellen Form der Kapitalbeschaffung. Aus ihrer historischen Entwicklung heraus haben Wirtschaftsorganisationen, wie wir sie heute kennen, deshalb noch immer diese beiden Aspekte: Kapitalbeschaffung und \u00f6ffentlicher Zweck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch diese lustige Sache mit der Persona war eine historische Entwicklung. Und sie h\u00e4ngt mit etwas zusammen, das ich bereits von Barnard zitiert habe: Eine Organisation w\u00fcrde sich selbst zerst\u00f6ren, wenn sie nur einen fixen Purpose im Sinne einer Ziellinie h\u00e4tte \u2013 wir wollen Laufschuhe herstellen. In der historischen Urform war das bei Wirtschaftsorganisationen tats\u00e4chlich der Fall. Aber bereits die R\u00f6mer erkannten, dass dies die N\u00fctzlichkeit dieser Organisationen einschr\u00e4nkt. Sie mussten sich den Bed\u00fcrfnissen anpassen k\u00f6nnen. In einem Jahr Armeen mit Vorr\u00e4ten versorgen, im n\u00e4chsten Steuern einziehen. Und genau das ist der Unterschied zwischen einer Maschine, die f\u00fcr einen bestimmten Zweck gebaut wird, und einer Persona, die sich ver\u00e4ndern kann. Kein Hammer \u2013 der nur N\u00e4gel und Finger h\u00e4mmern kann \u2013, sondern ein Handwerker, der alle m\u00f6glichen Dinge reparieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir nun die Frage, was eine Wirtschaftsorganisation ist, auch aus gesellschaftlicher Perspektive betrachten wollen, m\u00fcssen wir kl\u00e4ren, wer zu diesen Organisationen beitr\u00e4gt. Denn denk daran, Coase geht darauf nicht ein. Er sagt lediglich, dass es eine Menge Interaktionen oder Vertr\u00e4ge gibt und es g\u00fcnstiger ist, daraus ein B\u00fcndel zu machen, statt hundert verschiedene vertragliche Vereinbarungen abzuschliessen. Wer liefert also die Investitionen? Denn genau das sind diese Beitr\u00e4ge: Investitionen im weitesten Sinne. Margaret M. Blair und Lynn A. Stout beschreiben das in einem Paper namens \u00abA Team Production Theory of Corporate Law\u00bb. Ja, ich weiss, Corporate Law geh\u00f6rt nicht gerade zu den aufregendsten Themen, aber sie haben ein paar ziemlich coole Ideen. Es ist also allgemein anerkannt, dass es neben finanziellen Investoren noch andere Beitragende gibt und dass viele von ihnen tats\u00e4chlich unerl\u00e4sslich daf\u00fcr sind, dass ein Unternehmen \u00fcberhaupt existieren kann: Manager, Mitarbeitende, die Community und nat\u00fcrlich die Kapitalgeber. Alle ihre Beitr\u00e4ge sind also notwendige Investitionen oder Ressourcen in die Organisation. Der Akt der Incorporation \u2013 sorry, eine seltsame Art zu sagen, dass ein Unternehmen gegr\u00fcndet wird \u2013 bedeutet, dass einige dieser Beitragenden ein Team bilden, indem sie ihre Kontrollrechte \u00fcber Input, Prozess und Output an eine neue, separate juristische Person abgeben, die \u00abtakes on a life of its own and could, potentially, act against their interests.\u00bb Warum tun sie das? Nun, gute Frage. Ein Grund ist, dass ihre Beitr\u00e4ge, sobald sie in einem Unternehmen zusammenarbeiten, firm-specific werden, was bedeutet, dass sie ausserhalb dieser Zusammenarbeit weniger wert w\u00e4ren. Das gilt f\u00fcr alle Beitragenden und stellt damit ihre Verbindung her. Dann gibt es das Problem der Kontrolle. Alle Formen, bei denen nur einer oder eine kleine Anzahl der Beitragenden die Kontrolle inneh\u00e4tte, f\u00fchren f\u00fcr die anderen zu einer riskanten Situation. Also wird die Kontrolle dieser neu geschaffenen Entit\u00e4t \u00fcbertragen oder, genauer gesagt, ihrem vermittelnden Organ \u2013 dem Board \u2013, weil keiner einzelnen Gruppe von Beitragenden zugetraut werden kann, sie allein auszu\u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Okay, wir hatten die \u00f6konomische Perspektive, die historische und die gesellschaftliche. Purpose \u2014 also Zweck \u2014 haben wir kurz erw\u00e4hnt, aber dar\u00fcber m\u00fcssen wir noch sprechen. Purpose ist eigentlich philosophisch, aber keine Angst, es wird ziemlich praktisch bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber was hat Purpose mit Definition zu tun? Nun, auch ohne ein allzu grosses Gedankengeb\u00e4ude zu errichten, k\u00f6nnen wir uns wohl alle darauf einigen, dass uns der Purpose von etwas eine ziemlich gute Vorstellung davon gibt, was dieses Etwas eigentlich ist. Speziell bei Wirtschaftsorganisationen hat Mayer festgestellt, dass der Purpose die inneren Abl\u00e4ufe bestimmt \u2013 er nennt das Structure und Conduct \u2013, und diese wiederum bestimmen die Performance, gemessen am Purpose \u2013 f\u00fcr \u00dcberseehandel brauchst du Schiffe, keine Serverfarm und kein Chemielabor. Der erste Teil ist f\u00fcr uns interessant, denn er bedeutet: Sobald wir den Purpose kennen, wissen wir, wie eine Wirtschaftsorganisation tats\u00e4chlich strukturiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gehen wir nun zur\u00fcck zu Blair und Stout oder besser gesagt zu ihrer Wiedergabe der Definition von Team Production von Alchian und Demsetz. Eigentlich ist sie ziemlich einfach und besteht aus drei Teilen: An der Produktion sind mehrere Arten von Ressourcen beteiligt \u2013 die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen wie Arbeit, Materialien, Wissen und solche Dinge. Das fertige Produkt l\u00e4sst sich nicht sinnvoll in einzelne Outputs zerlegen \u2013 ja, du kannst ein Smartphone auseinandernehmen, aber normalerweise sind die einzelnen Teile danach nicht mehr besonders n\u00fctzlich. Genau deshalb gibt es auch keinen einzelnen Eigent\u00fcmer all dieser Ressourcen \u2013 kein einzelner Beitragender kann das Ergebnis f\u00fcr sich beanspruchen, weshalb es der neuen Entit\u00e4t zuf\u00e4llt, es zu halten und zu verwalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nehmen wir nun diese Idee von Blair und Stout und f\u00fcgen hinzu, dass das gesamte Produkt tats\u00e4chlich gr\u00f6sser wird als die Summe seiner Teile. Denk mal dar\u00fcber nach. Winzige Lautsprecher, eine gute touchbasierte GUI und Mikrochips und Batterien, die du tausende Male wieder aufladen kannst, und all die anderen Komponenten eines Smartphones sind ziemlich cool, aber erst wenn du sie zusammensetzt, werden sie zu etwas wirklich N\u00fctzlichem. Oder, um ihr Beispiel zu nehmen: Indem sie gemeinsam ein Paper schreiben, k\u00f6nnen sie auf viel nerdigere Ideen kommen, als jeder von ihnen allein h\u00e4tte entwickeln k\u00f6nnen \u2013 was nat\u00fcrlich bedeutet, dass sie gemeinsam \u00fcber mehr Wissen verf\u00fcgen als einzeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwas, das wir jetzt und hier kl\u00e4ren m\u00fcssen, ist, warum Geld nicht die perfekte Antwort auf die Frage nach dem Purpose einer Wirtschaftsorganisation ist. Profit \u2013 richtig? \u2013 ist das Wichtigste im Business. Die ganze Diskussion \u00fcber Profit ist detailliert, und wir m\u00fcssen sehr pr\u00e4zise sein. Also spitz deine Leseohren. Profit ist bei jeder gesch\u00e4ftlichen T\u00e4tigkeit wirklich wichtig. Kein Autor, der \u00fcber \u00d6konomie oder Management schreibt, w\u00fcrde dem widersprechen. Zumindest habe ich noch keinen gefunden. Aber was ist mit den kritischeren Denkern? Autoren wie Mayer oder Porter oder Freeman und Mintzberg, aber auch das epische D&amp;D \u2013 Drucker und Deming \u2013 halten Profit weiterhin f\u00fcr wichtig. Und im Grunde sind sie sich alle darin einig, dass Profit vor allem deshalb wichtig ist, weil er eine Voraussetzung f\u00fcr das \u00dcberleben der Organisation ist. Er ist eine Notwendigkeit, eine \u00f6konomische \u00dcberlebensbedingung. Mayer geht sogar so weit, ihn als Input des Prozesses zu bezeichnen und nicht als Output. Aber diese differenzierteren Denker sind sich auch darin einig, dass Profit nicht der Purpose einer Wirtschaftsorganisation ist. Geld verdienen ist cool und notwendig, aber du musst etwas tun, um es zu verdienen. Dieses Etwas ist dein Purpose. Selbst Topmanager haben ihre Unternehmen um etwas anderes als Profit herum aufgebaut: Paul Polman (Unilever), Konosuke Matsushita (Panasonic), Akio Morita (Sony) und Steve Jobs zum Beispiel. Wir k\u00f6nnen dieses andere Etwas als Value bezeichnen, und der Prozess heisst Value Creation \u2014 und ja, wir werden in einem sp\u00e4teren Essay dar\u00fcber sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun lasst mich noch einen Bonuspunkt hinzuf\u00fcgen, denn er ergibt sich aus dieser Diskussion. Und zwar geht es darum, wie Value in einer Wirtschaftsorganisation strukturell geschaffen wird. Wir haben gesehen, dass Teams Value schaffen, die geb\u00fcndelte Leistung aus den vielen ben\u00f6tigten Ressourcen. Das ist nichts Neues. Das Team bei Blair und Stout hat etwas geschaffen, das mehr war als die Summe aller Inputs. Es hat Value hinzugef\u00fcgt. Der wirklich interessante Teil ist nun, dass diese wertsch\u00f6pfenden Prozesse in Unternehmen meist horizontal ablaufen. Das kennen wir von den Prozessen aus unserer t\u00e4glichen Erfahrung. Die meisten Prozessabl\u00e4ufe, die Wert schaffen, verlaufen horizontal. Eine Person oder ein Team f\u00fcgt dem etwas hinzu, was die vorherige Person oder das vorherige Team beigetragen hat. Mein Kollege im Procurement kauft das Material. Jemand in R&amp;D entwickelt die Lautsprecher. Ich baue den Mikrochip zusammen, dann baut ein anderes Team den Mikrochip ins Smartphone ein \u2013 sorry, denkt daran, ich habe einmal eine Festplatte kurzgeschlossen \u2013, jemand entwickelt und l\u00e4dt die Software. Allgemein gesprochen ist das alles ein horizontaler Prozess oder nennen wir es einen horizontal ausgerichteten Flow. Was soll dann die vertikale Struktur \u2013 oder Hierarchie \u2013 eigentlich tun? Auch sie wird gebraucht, denn sie koordiniert, weil Prozesse sonst st\u00e4ndig in Probleme laufen w\u00fcrden. Man kann sagen, dass Hierarchie Kosten der Koordination verursacht, aber keine Quelle von Wert ist. Der Wert entsteht durch das, was zwischen Menschen auf derselben Ebene geschieht, er basiert auf horizontaler Zusammenarbeit. Hierarchie ist also problemgetrieben und Kooperation wertgetrieben. Hat das gerade dein Hirn weggeblasen? Meines jedenfalls schon, als ich das zum ersten Mal entdeckt habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und da wir festgestellt haben, dass Wertsch\u00f6pfung im Zentrum dessen steht, worum es bei Business geht, muss das auch f\u00fcr Kooperation gelten. Wir haben die B\u00fcndelung von Beziehungen als einen Grund f\u00fcr Firmen gefunden, die Notwendigkeit einer flexiblen, persona-artigen Organisation, die Bildung eines Teams und Wertsch\u00f6pfung als Purpose von Wirtschaftsorganisationen. Nun k\u00f6nnen wir auch noch hinzuf\u00fcgen, dass es bei ihnen um Kooperation geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet, dass wir als N\u00e4chstes \u00fcber Kooperation sprechen m\u00fcssen, und das werden wir. Aber f\u00fcrs Erste haben wir sicherlich ein ziemlich gutes Bild davon, was wir uns eigentlich anschauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Glaub mir nicht einfach, hier gibt es gutes Zeug zum Weiterlesen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Carroll, Lewis. \u00abAlice\u2019s Adventures in Wonderland\u00bb. 1865.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Coase, Ronald H. \u00abThe Nature of the Firm.\u00bb Economica, vol. 4, no. 16, November 1937, pp. 386\u2013405.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mayer, Colin. \u00abProsperity: Better Business Makes the Greater Good\u00bb. Oxford University Press, 2018.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Blair, Margaret M., and Lynn A. Stout. \u00abA Team Production Theory of Corporate Law.\u00bb Virginia Law Review, vol. 85, no. 2, March 1999, pp. 247\u2013328.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drucker, Peter F. \u00abThe Practice of Management\u00bb. Harper &amp; Row, 1954.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder Was schauen wir uns eigentlich an \u00abEine Seite von was? Die andere Seite von was?\u00bb, dachte Alice bei sich. 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